Mehrsprachigkeit in deutschböhmischen Siedlungen

Rumänien

Geschichtlicher Hintergrund

Von einer noch vitalen bairischen Sprachinsel kann im rumänischen Banat ausgegangen werden. Die Kerngruppe der Vorfahren der heutigen Siedler stammte aus der Gegend von Klattau/Klatovy, Pisek/Piska und Pilsen/Plzeň. Siedler aus anderen Gegenden (Nordostbayern, Bayerischer Wald und Sachsen) schlossen sich an. Ab 1828 entstanden in der Nähe des Bergs Semenik im Banater Bergland die vier deutschböhmischen Siedlungen Lindenfeld, Weidenthal, Wolfsberg und Wolfswiese. Das Dorf Wolfswiese wird wenige Jahre wieder aufgegeben, Lindenfeld ist heute ebenfalls nahezu komplett verlassen. Weidenthal und Wolfsberg dagegen prosperieren wieder, zahlreiche verlassene Häuser wurden renoviert und werden als Feriendomizile wohlhabender Rumänen aus den umliegenden Regionen genutzt. Die Deutschböhmen stellen, nach dem Exodus der 90er Jahre, innerhalb der Dorfgemeinschaften eine kleine Minderheit dar, im Gegensatz zu der Situation Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, wo die beiden Ortschaften fast ausschließlich deutsch besiedelt waren.

Erste Ergebnisse

Während eines Forschungsaufenthaltes in den deutschböhmischen Dörfern Weidenthal/Brebu Nou und Wolfsberg/Gărâna (nahe der Stadt Reschitz/Reşiţa im Bezirk Caraş-Severin) im September 2007 wurden in beiden Siedlungen mehrere Sprecherinnen und Sprecher einer nordmittelbairischen Mundart angetroffen. Auch jüngere Bewohner mit Anfang 20 beherrschen noch ausgezeichnet das Deutschböhmische. Die Gesamtsprecherzahl liegt in Wolfsberg bei etwa 25, in Weidenthal bei etwa 10. Mit einer 69-jährigen Gewährsperson aus Wolfsberg wurde eine ausführliche Sprachaufnahme durchgeführt.

Die deutschböhmische Mundart im Banater Bergland zeigt eine offensichtliche Nähe zu den nordmittelbairischen Mundarten im Mittleren und Oberen Bayerischen Wald zwischen den Städten Regen und Cham.